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Ergebnis 4.696 bis 4.710 von 4785
  1. #4696
    Aber im IT-Umfeld ist meiner Erfahrung nach tatsächlich weniger interessant, wie der Bewerber deutsche Sätze formuliert, sondern das Interesse des AG hängt davon ab, was der Entwickler schon gemacht hat. Das liest man üblicherweise aus dem Lebenslauf oder spricht am Telefon mit ihm. Insofern macht sie das schon ganz richtig, aber das ist natürlich nicht verallgemeinerbar für andere Branchen.

  2. #4697
    Bundesverfassungsgericht

    Urteilsverkündung in Sachen „Sanktionen im SGB II“ am Dienstag, 5. November 2019, um 10.00 Uhr

    https://www.bundesverfassungsgericht...bvg19-061.html

  3. #4698
    Ich lese die Beiträge zu den Bewerbungstrainings etc. gerade mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen ("Ist das tatsächlich immer noch so?") und Habichsdirnichtgesagt ("Ich hab doch gewußt, daß sich da nichts ändert!").

    Vor gut 15 Jahren durfte ich nach einem privat bedingten Umzug und daraus resultierender Arbeitslosigkeit ein dreitägiges "Profiling" besuchen. Die Versprechen waren vollmundig, wie hier auch schon von anderen erzählt: berufliche Neuorientierung, Stärken, Schwächen ... das ganze Blabla.

    Faktisch war es dann so: der hauptsächliche Dozent war Schauspieler, der über Theaterprojekte mit arbeitslosen (Problem-)Jugendlichen in diese Schulungs-Schiene gekommen war. Schön für ihn: er hatte drei Tage lang ein Publikum frei Haus geliefert bekommen! Diesem Publikum hat er unzählige Geschichten aus seinem bewegten Leben erzählt. Eine irgendwie geartete Struktur seines Vortrags war nicht zu erkennen.

    Die Teilnehmergruppe war so heterogen wie auch schon geschildert, von Akademikern bis Ungelernten. Total sinnvoll. Gipfel der Absurdität: dabei saßen eine Beamtin, die mit einem vom Bundesland geförderten Programm in Vorruhestand gehen wollte und ein junger Mann aus einem Sozialberuf, der gerade seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und einen Arbeitsvertrag für eine Stelle in seinem Beruf in der Tasche hatte (es gab noch mehr ähnliche Fälle, ich habe nur diese beiden besonders krassen im Gedächtnis behalten). Von seinem Abschluß bis zum Arbeitsbeginn lagen nun wenige Wochen - ein super Grund, ihn in dieses "Profiling" zu stopfen.
    Wir haben sinnlose Tests ausgefüllt auf fleckigen Kopien voller Rechtschreibfehler, vom Niveau her ungefähr so wie die "Tests" in Frauenzeitschriften ("Wie sicher sind Sie beim Smalltalk" oder so). Struktur und Zweck der Tests waren völlig durchschaubar, alles sehr, sehr grobschlächtig zusammengezimmert. Eine Betriebswirtin saß als Teilnehmerin mit dabei, ebenso wie ich nach Umzug aus privaten Gründen vorübergehend arbeitslos. Die war immer nur am Kichern: sie hatte bis vor kurzer Zeit in einer Personalabteilung gearbeitet mit Verantwortung für Bewerberauswahl und Einstellungen und meinte nur, so etwas Hanebüchenes hätte sie in ihrer ganzen Berufslaufbahn niemals gesehen.

    Am Ende stand ein knapp halbstündiges "Auswertungsgespräch" mit einer Dame, die die Kursteilnehmer nicht kannte. Während des Gesprächs wurde mir klar, daß bei der "statistischen" Auswertung der Tests gravierende methodische Fehler gemacht worden waren. Fun fact am Rande: meine sprachlichen Fähigkeiten wurden als mangelhaft und verbesserungswürdig bezeichnet - ich kam gerade aus einer mehrjährigen Anstellung in einem wissenschaftlichen Projekt, in dem ich zur großen Zufriedenheit meines Chefs sowohl selbst publiziert als auch Arbeiten von Kollegen redigiert hatte ...

    Das absolut einzige Sinnvolle an der ganzen Chose war ein ca. zweistündiger Vortrag über die Rechtssituation, die man zu der Zeit als Kunde des Arbeitsamtes hatte.

    Eine Freundin "durfte" vor zwei Jahren eine Maßnahme "im kreativen Bereich" besuchen (sie kommt aus einem entsprechenden Beruf). Das war so auf dem Niveau "Malen nach Zahlen". Da sie ihre Aufgaben immer zügig erledigen konnte, ging sie regelmäßig zu dem Maßnahmeleiter und fragte um neue "Arbeit". Ratloses Kopfkratzen, Achselzucken. "Ach, schau doch mal den Materialkatalog durch, ob Du noch was Hübsches findest.". Nach drei Wochen hat sie sich geweigert, diese Zeittotschlagerei weiter mitzumachen und hat das gegenüber der Arge ausführlich schriftlich begründet. Sanktionen hatte sie erwartet, sich darauf gefaßt gemacht - es kam nichts. Es war auch den Verantwortlichen offenbar sonnenklar, was sie da für einen kompletten Blödsinn betreiben (von unsere aller Steuergeldern bezahlt).

  4. #4699
    Zitat Zitat von seija76 Beitrag anzeigen
    Aber im IT-Umfeld ist meiner Erfahrung nach tatsächlich weniger interessant, wie der Bewerber deutsche Sätze formuliert, sondern das Interesse des AG hängt davon ab, was der Entwickler schon gemacht hat. Das liest man üblicherweise aus dem Lebenslauf oder spricht am Telefon mit ihm.
    Die tatsächliche Qualifikation ist doch immer wichtiger als die Aufmachung. Das beste Anschreiben nutzt gar nichts, wenn derjenige die erforderlichen Qualifikationen nicht hat oder in deutlich geringerem Umfang als die anderen Bewerber.

  5. #4700
    Zitat Zitat von ParadiseCity Beitrag anzeigen
    Die tatsächliche Qualifikation ist doch immer wichtiger als die Aufmachung. Das beste Anschreiben nutzt gar nichts, wenn derjenige die erforderlichen Qualifikationen nicht hat oder in deutlich geringerem Umfang als die anderen Bewerber.
    Und genau deshalb sollte mMn mehr Energie in einen gut strukturierten tabellarischen Lebenslauf mitsamt Zeugnisse und Zertifikate gesteckt werden. Ich hab auch immer eine Zusammenfassung meiner durchgeführten Projekte dazugefügt mit Titel, Inhaltsbeschreibung und verwendete Technologien. Und wirklich in jedem gottverdammten Bewerbungsgespräch wurde genau diese Liste in die Hand genommen und ich konnte locker flockig aus dem Nähkästchen plaudern.

  6. #4701

    Armutsbericht, HartzIV, Grundeinkommen

    Hab neulich in der ARD Mediathek den HartzIV Report gesehen. Kann nur zum HR verlinken: https://www.hr-fernsehen.de/sendunge...eo-100282.html

    Fand ich angenehm aufbereitet, einigermaßen neutral. Die gezeigten Schicksale der Menschen waren nicht so klischeehaft, sondern aus der Mitte des Lebens. Besonders interessant fand ich den Vergleich mit den Niederlanden, ab Minute 35 ungefähr. Die Niederlande sind zusammengefasst härter, aber fairer. Jeder bekommt mehr Geld als hier, muss aber ab dem ersten Tag sozial bzw. gemeinnützig arbeiten. Der Bericht macht mit Christina auf, die 5 Jahre lang depressiv und arbeitslos war, sich aber vom niederländischen Jobcenter fair behandelt gefühlt hat. Nie habe man auf sie herabgesehen, sondern habe mir ihr zusammen (!) Wege gesucht. Sie sagt, ihr Selbstbewusstsein wurde gestärkt durch die Arbeit, die sie verrichten musste. Sie war in der Stadtverwaltung (am Empfangstresen, glaube ich), arbeitet jetzt aber wieder als Erzieherin. Ihr ehemaliger Kollege Jack wurde von der Stadtverwaltung übernommen. Das wäre dann ein sozialer Arbeitsmarkt, der auch funktioniert.

    Jede Kommune verwaltet ihre eigenen Arbeitslosen und bekommt dafür einen festen Betrag. Je schneller sie die Arbeitslosen also in Arbeit bekommt, desto mehr Geld bleibt ihr für anderes. Leider wurde nichts dazu gesagt, wie es ist, wenn jemand in X wohnt, die Jobs aber alle im nahe gelegenen Y sind, in der es aber auch Arbeitslose gibt. Konkurriert dann der vom Jobcenter X mit dem in Y, frage ich mich.

    Es sei gesellschaftlich akzeptiert, dass man ab dem ersten Tag gemeinnützig oder sozial arbeiten müsse, wenn man Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehen wolle. Es gäbe auch Sanktionen, auch 100% ige, das sei auch akzeptiert.

    Die Arbeitslosebquote in NL hat sich in den letzten 10 Jahren halbiert, das hat sie aber in Deutschland auch. Das alleine sagt also nichts über den Erfolg aus, der kann auch ausschließlich der guten Konjunktur geschuldet sein.

    Trotzdem sieht für mich das niederländische Modell so aus, dass es ein Vorbild sein könnte.
    Geändert von ParadiseCity (26-10-2019 um 14:14 Uhr)

  7. #4702
    Jetzt nach so vielen Jahren dämmert es so manchem. Clement, Schröder, Müntefering, Heil und Co haben da einen Riesenbockmist gemacht. Mit den Grünen und der Union. Weil die Wirtschaft es wollte.
    Die Folgen sind zu spüren, und um 18 Uhr bekommt die SPD die nächste Ohrfeige. Verdient, so was von verdient. Wohne kurz vor Holland, so Sätze wie "Ich will Hartz 4 werden", die gibt es da nicht. Last uns die Menschen in Arbeit und Würde bringen.


  8. #4703
    Zitat Zitat von redglori Beitrag anzeigen
    Bundesverfassungsgericht

    Urteilsverkündung in Sachen „Sanktionen im SGB II“ am Dienstag, 5. November 2019, um 10.00 Uhr

    https://www.bundesverfassungsgericht...bvg19-061.html
    Ab heute nur noch Sanktionen um 30 Prozent möglich, darüber hinaus nicht, und zwar ab sofort.

  9. #4704
    Das hat jetzt 15 Jahre gedauert um festzustellen, dass 70 Prozent der Würde des Menschen unantastbar sind. Toll.

  10. #4705
    Stört mich nicht... Avatar von Null-Drei-Null
    Ort: Balkon mit Tee und Buch
    Ich habe mir den Tagesschau Bericht dazu durchgelesen und muss auch nach zweimaligem Lesen sagen, dass ich nicht verstanden habe ob und wann und wie viel nun doch noch gekürzt werden darf. Also 60 % und 100 % nicht mehr. Aber 30 % ja und 10 % auch noch und für unter 25-jährige ist noch gar nichts verhandelt.

  11. #4706
    Das mit den unter 25-Jährigen hab ich nicht ganz verstanden, auch die sind Menschen und fallen damit genau so unters Grundgesetz.

    Im Grundgesetzt steht nichts von einer solchen Altersgrenze, sicher nicht. Nur im H4-Gesetz.

  12. #4707
    Die Büchse des Pandas ist geöffnet, für mich ist das Glas halb voll. Vor 5 Jahren hätte ich noch gesagt, die Richter schmettern alles ab.

    Ein erster Schritt ist gemacht.


  13. #4708
    Weiß garnicht, wie das vor H4 war, ob da auch Sanktionen auf Null möglich waren.

    Mal bei Schröder anrufen.

  14. #4709
    der Sohn vom lieben Gott Avatar von golfern
    Ort: München
    Ich denke die 30%-Sanktionen werden jetzt sprunghaft ansteigen.

    Die wenigen hartnäckigen Arbeitsverweigerer, die gar nichts annehmen und sich bei allem querstellen, haben heute gewonnen.

    Die große Masse der ALG II Bezieher, die vielleicht nur einmal etwas versäumen, wird darunter einmal mehr zu leiden haben.

  15. #4710
    zahm, aber direkt Avatar von Eggi I.O.F.F. Team
    Zitat Zitat von Serge Beitrag anzeigen
    Ab heute nur noch Sanktionen um 30 Prozent möglich, darüber hinaus nicht, und zwar ab sofort.
    ab heute, bis es eine Gesetzesänderung gibt - diese darf in Einzelfällen auch über 30% erlauben


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